II.

Ich will darüber zu euch sprechen, wie ihr leben sollt, wie ihr in den Ämtern, die euch zugewiesen sind, am besten Genüge tun könnt, und wie ihr die Arbeit, die Tätigkeit, die die eurige ist, ausführen sollt, auf daß ihr alle in Liebe, Frieden und Eintracht miteinander leben könnt.

Ich spreche zu dir, der du Gottes und Christi Statthalter auf Erden genannt wirst; ich spreche zu dir im Namen Gottes des Allmächtigen. Höre mich! Denn wisse, daß dein und deiner Vorgänger Amt und eure Macht auf falschen Worten beruht! Niemals habe ich Simon Petrus die "Schlüssel" zum Himmelreich gegeben. Niemals habe ich ihm gestattet, nach seinem eigenen Ermessen und Gutdünken zu lösen, noch weniger zu binden. Dies sage ich dir, damit du wissest, daß du nicht der Erbe Simon Petri bist, wie auch keiner deiner Vorgänger es gewesen ist. Ferner wisse, daß du die Vergebung der Sünden nicht im Namen unseres Vaters erteilen kannst; denn was die Menschen wider Gott den Allmächtigen gesündigt haben, kann nur Er allein vergeben; und was die Menschen wider einander gesündigt haben, müssen sie einander selbst zu verzeihen suchen *1. Daher ist deine Sündenvergebung tot und machtlos. Auch wisse, daß unser Vater niemals einen Menschen verflucht hat, noch irgendwann einen Menschen verfluchen wird, wieviel die Menschen auch wider die göttlichen und die irdischen Gesetze sündigen mögen. Und wenn Gott nicht verfluchen kann und nicht verfluchen will, wie könnten dann diejenigen, die Seine Statthalter genannt werden, es tun? Ja, du sollst nicht verfluchen, weder im Namen Gottes noch im Namen des Simon Petrus. Denn tust du das, so wirst du das Schicksal vieler deiner Vorgänger teilen, denn sie haben unter den mächtigen Bannflüchen, die sie ausgeschleudert haben, sehr gelitten. Wahrlich, ich sage dir: du sollst nicht verfluchen, sondern im Namen unseres Vaters segnen. Und wenn du segnest, so vergiß niemals, unseren Vater von Herzen zu bitten, den Segen zu bestätigen, auf daß er denjenigen, die seiner bedürfen, zum Nutzen gereichen kann. Denn du vermagst die Würdigen von den Unwürdigen nicht zu unterscheiden. Sei deiner Gemeinde ein Vater! Sei so, daß alle dich lieben, ehren und achten können, nicht als Erbe des Simon Petrus, auch nicht als Gottes und Christi Statthalter, sondern als oberste und höchste Gewalt deiner Kirche. Umgib dich bei den kirchlichen Festen nicht mit zu viel Glanz und Pracht, solange es in deiner Gemeinde Männer, Frauen und Kinder gibt, die ständig um das tägliche Brot betteln müssen und deren Kleider Schmutz und Lumpen sind. Trachte dagegen, durch die reichen Mittel deiner Kirche die tiefe Not und Erbärmlichkeit etwas zu lindern. Sei ein Lehrer und Berater den vielen Dienern deiner Kirche und jedem einzelnen Mitglied deiner Gemeinde; lehre sie, in kindlicher Liebe, in Hoffnung und Vertrauen, sich im Gebet an Gott allein zu wenden; lehre sie, daß die vielen Bitten an Mutter Maria, an all die heiligen Männer und Frauen um Hilfe, Fürbitte und Schutz den Menschen nicht nützen und niemals genützt haben; denn all die sogenannten Heiligen müssen wie alle Menschen ihre Wanderung durch die vielen Erdenleben fortsetzen, bis sie einmal das Ziel: das Reich Gottes, des Vaters, erreichen. Ferner lehre die Diener deiner Kirche und alle in deiner Gemeinde, daß es niemandem nützt, sich in engen Klöstern, hinter dicken Mauern, fern den Versuchungen, vor dem Kampf und der Mühe des Lebens zu verbergen. Lehre sie, daß alle, die als Mönche oder Nonnen leben, daß alle, die sich verbergen, und alle, die für Jahre oder für das Leben in die Einsamkeit fliehen, gesetzwidrig handeln; denn alle, die so handeln, befolgen nicht, sondern verstoßen gegen die Gesetze, die unser Vater für den Aufstieg der Menschheit zum Licht gegeben hat; denn die Menschen werden nicht zur Erde gesandt, um der Finsternis zu entfliehen, sondern um dem Bösen in den unzähligen Formen des Lebens gegenüberzutreten, um Sünde und Laster zu überwinden und um über die vielen Versuchungen zu siegen. Lehre sie, daß Gott nicht fordert und niemals gefordert hat, daß weder Mann noch Frau im ledigen Stande leben sollen; denn unser Vater fordert keine widernatürlichen Gelübde von irgendeinem Menschen. Lehre sie, daß die vielen Bußübungen und strengen Selbstquälereien keineswegs nützen, sondern lediglich die Finsternis an alle heranziehen, die ihren Körper martern und mißhandeln; lehre sie, daß, wer mit Absicht, nach Klosterregeln oder aus eigenem freien Willen, auf verschiedene qualvolle Weise sich selbst ermattet oder schwächt, sein geistiges Ich wider die schleichenden Angriffe der Finsternis nicht völlig zu wehren vermag; lehre, daß alle Selbstquäler infolge des großen Schwächezustands ihres Körpers ständig von sünd- und lasterhaften Gedanken heimgesucht werden. Lehre sie auch, daß die vielen Wohltaten, die nach bestimmten Kirchen- oder Klosterregeln erwiesen werden, keineswegs irgendeinen geistigen Wert haben, es sei denn, der Wohltäter vermöchte diese Ordenshandlungen dem Liebes- und Barmherzigkeitsdrang seines eigenen Herzens entspringen zu lassen. Ferner lehre sie, daß die vielen sakramentalen Handlungen eurer Kirche allesamt unnötig und nutzlos sind; lehre, daß nur in der tiefen, inbrünstigen Hingabe des Gebets die Menschen dem göttlichen Gedanken und Willen begegnen. Ja, sei in Wahrheit ein Vater, ein Lehrer und ein Berater allen denen, die sich dir anschließen; und sei mir behilflich, sie alle zu dem gemeinsamen Ziel: dem Herrlichkeitsreich unseres Vaters, zu leiten!

Was ich hier zu dir gesprochen habe, bitte ich dich genau zu durchdenken; und um deiner selbst willen bitte ich dich, deinen Gott und dein Gewissen zu Rate zu ziehen. Und wenn du dann verstanden hast, daß meine Worte wahr sind, mußt du so handeln, wie ich es hier gesagt habe, dann mußt du dem Weg folgen, den ich dir hier gezeigt habe! Wenn meine Worte dich, der du in dieser Stunde' das Amt des Statthalters Gottes und Christi bekleidest, nicht erreichen, so bist du schuldlos, so gelten meine Worte deinem Nachfolger, so ist er dein Erbe. Ja, meine Worte gelten nicht dir allein, sondern all deinen Nachfolgern.

Ich spreche zu euch, die ihr die Diener des Höchsten oder die Diener der Kirche genannt werdet, welchem Land, welcher Glaubensrichtung ihr auch immer angehören, welche Stellung, höher oder niedriger, ihr auch immer innerhalb eurer kirchlichen Gemeinschaft bekleiden mögt. ich spreche zu euch allen, welchen Namen ihr auch immer eurer Gottheit gebt, ob ihr euch vor einem oder vor vielen Göttern beugt. Höret mich! Denn meine Worte gelten euch allen.
Wollt ihr die Diener des Höchsten sein, so müßt ihr euch bestreben, Seine Gebote zu beachten, euch bestreben, Seine Gesetze zu befolgen. So müßt ihr all diejenigen, die sich euch und eurer Verkündigung anschließen, lehren, daß Gott eins ist, daß es nicht zwei, drei oder viele Götter gibt. So müßt ihr lehren, daß Gott der Allmächtige der Schöpfer und Vater des unsterblichen Menschengeistes ist, daß Er aber niemals die sterblichen Körper der Menschen geschaffen hat. Ja, wahrlich, ich sage euch: wollt ihr Gottes Diener sein, so müßt ihr Ihm alle im Geiste und in der Wahrheit dienen; so müßt ihr gütige, liebevolle und verständliche Worte zu all denen sprechen, die sich in Zweifel, Hoffnungslosigkeit und Reue um Hilfe und um Beratung an euch wenden; so müßt ihr, ohne zu ermüden, die schwachen, mutlosen und schwankenden Menschen ständig trösten und stärken; niemals dürft ihr harte, verdammende Worte zu den Lebenden sprechen, noch weniger dürft ihr über die Toten den Stab brechen; niemals dürft ihr, um eure Macht und euer Ansehen geltend zu machen, mit ewiger Verdammnis drohen oder mit den Strafen und Qualen der Hölle schrecken. Niemals dürft ihr lehren, daß der Menschengeist nach beendetem Erdenleben in Tierkörper hinüberwandere oder daß das geistige Ich nach zahlreichen mühsamen, aber vorwärtsschreitenden Wanderungen von dem großen Nichts verschlungen werde - in einen ewigen Untätigkeitszustand herabsinke. Auch dürft ihr nicht lehren, daß Selbstquälereien oder Bußübungen Gott wohlgefällig seien. Und niemals dürft ihr zur Ehre des Höchsten blutige Opferungen' ausführen: keine Menschen *1, kein Tier des Feldes oder der Luft dürft ihr opfern; denn all solches gehört zu den entsetzlichen Einfällen der Finsternis. Seid hilfreich und barmherzig zu allen armen, kranken und elenden Menschen; lasset eure Kirchen, Tempel und Gemeindehäuser allen offen sein, damit jeder trauernde und leidende Mensch zu jeder Zeit, an Werk- oder Ruhetagen, an den Altären knien kann, um in einem inbrünstigen Gebet zu seinem Gott und Vater Stärke und Trost zu suchen; oder damit alle nach eigenem Wunsch in Stille und Frieden an den schönen Stätten wandeln können, die unserem Vater geweiht und gewidmet sind. Und wenn ihr an den Ruhe- oder Feiertagen euch mit euren Gemeinden versammelt, so müßt ihr sie lehren, sich in kindlichem Vertrauen, in Hoffnung und Liebe der lenkenden Hand unseres Vaters zu beugen, so müßt ihr sie lehren, aus den verborgensten Tiefen der Herzen Lob- und Danklieder ertönen zu lassen. So müßt ihr sie lehren, daß aller äußerlicher und gewohnheitsmäßiger Gottesdienst unnütz ist; ebenso, daß alle sakramentalen Handlungen unnötig sind.
Ferner will ich euch allen sagen: wollt ihr Gottes Diener sein, so dürft ihr über die alten Worte und Glaubenssätze, die euch aus den vielen Schriften der Väter überliefert sind, nicht ständig miteinander zanken und streiten. So dürft ihr nicht ständig hervorheben, daß euer Glaube und eure Kirche die allein wahren und seligmachenden seien. Und niemals dürft ihr durch das Schwert oder durch strengen Machtspruch anderen euren Glauben und eure Meinungen aufzwingen. Trachtet dagegen alle, in eurer gemeinsamen Sehnsucht nach dem Reinen, dem Erhabenen und dem Göttlichen zusammenzufinden. Ja, trachtet alle, in eurer gemeinsamen Sehnsucht nach der Liebe eines Vaters und der Gerechtigkeit eines Gottes zusammenzufinden.

Was ich hier zu euch gesprochen habe, bitte ich euch alle genau zu durchdenken; beratet euch mit Gott und eurem Gewissen, und handelt niemals wider eure innere Überzeugung! Wenn ihr dann verstanden habt, daß meine Worte wahr sind, so seid mir behilflich, eure Brüder und Schwestern zu dem gemeinsamen Ziel: dem Herrlichkeitsreich unseres Vaters, zu leiten.

Ich spreche zu euch, die ihr die Herrscher der vielen Länder seid, ob durch Erbschaft oder Wahl, und welcher Regentenname euch auch immer erteilt ist. Höret mich, denn ich spreche zu euch allen! Setzet euch das gemeinsame Ziel, ein jeder der beste und vortrefflichste Mann seines Landes zu werden. Fordert viel von euch selbst, auf daß ihr von anderen viel fordern könnt. Seid in eurem Wandel rein und sonder Tadel, auf daß alle euch achten, ehren und lieben können.

Wählet eure Ratgeber mit Sorgfalt und Verstand, und wählet sie unter den Männern, die selbstlos, wahrheitsliebend, verständig und gerecht sind. Schützet die Schwachen, die Armen und Bedrückten. Seid selbstlos in eurer Fürsorge für das Wohl der Länder und Völker. Handelt niemals dem zuwider, was euer Gewissen euch als Wahrheit und Gerechtigkeit bezeichnet. Erkämpfet euch nicht durch Gewalt oder durch List die Herrschaft über die Reiche anderer, und zwinget niemals die Völker anderer Länder, sich eurer Führung in Demut zu beugen; denn all solches ist vom Übel! Seid verständnisvoll und geduldig den Menschen gegenüber, deren Heimatländer von euren Vorvätern, euren Vorgängern oder von euch selbst geraubt worden sind. Suchet etwas von dem Unrecht, das gegen diejenigen, die mit Gewalt, durch Haß und Neid unter fremde Führung gezwungen und gegen ihren Willen von den Staatsgemeinschaften getrennt worden sind, denen sie zu Recht angehören, verübt worden ist, aufzuheben und zu mildern. Seid wie Brüder zueinander. Beseitiget mit gutem Willen allen Streit und Zank, und brechet niemals den Frieden der Reiche und Länder untereinander. Ja, wahrlich, ich sage euch: seiet ihr die ersten, die einen brüderlichen, ewig währenden Vergleich schließen; und bittet unseren Vater, euch und das Bündnis, das ihr schließt, zu segnen, auf daß ihr und eure Nachfolger die Gelöbnisse, die ihr einander gebt, halten könnt. Ja, bittet unseren Vater, euch zu segnen, auf daß ihr und eure Nachfolger niemals, niemals mehr den Frieden auf Erden brechet! Bittet unseren Vater, euch die Wahrheit meiner Worte zu erläutern. Bittet Ihn, euch zu stützen und zu beraten, auf daß ein jeder von euch den Platz ausfüllen kann, der der seinige ist.

Ich spreche zu euch, die ihr Gesetzgeber seid, zu euch, die ihr in mannigfacher Weise an der vielgestaltigen Leitung der Länder und Staatsgemeinschaften Teil und Anteil habt. Höret mich, denn ich spreche zu euch allen! Setzet euch das gemeinsame Ziel, dem Land und Volk, dem ihr angehört, vollauf und in bester Weise von Nutzen zu sein. Fertiget all eure Gesetze aus, als ob ihr selbst von jeder einzelnen Regel betroffen werden würdet; denn dann werden eure Gesetze gerecht.

Erzwinget euch durch List und Tücke keine Führerstellungen, die euch nicht zustehen und die ihr nicht ausfüllen könnt. Seid wahrhaftig bis zum äußersten und aufrichtig in all eurer Rede. Handelt niemals wider euer Gewissen, ja, handelt niemals aus selbstsüchtigen Gedanken an den eigenen Vorteil heraus! Stellet all euren anstößigen Streit und Zank untereinander ein. Stoßet keine bitteren und gehässigen Worte wider diejenigen aus, die nicht mit euch gleicher Meinung sind. Beschmutzet nicht Namen und Ehre eurer Gegner mit falschen Beschuldigungen, durch lügenhafte und boshafte Verleumdungen. Seid sanftmütig zueinander. Kommet einander entgegen, suchet in Frieden und Eintracht miteinander zu arbeiten, auf daß ihr die Belange der Länder und Völker in bester Weise fördern könnt. Hebet jegliche Todesstrafe auf; denn kein Mensch hat das Recht, das Leben seines Nächsten zu nehmen, wieviele Verbrechen er auch immer begangen hat. Zwinget niemals eure Brüder durch das Gesetz, sich im Krieg gegenseitig zu ermorden und zu töten; denn all solches ist vom Übel! Lasset allen Kriegsdienst zu Lande und zu Wasser freiwillig sein, bis die Stunde gekommen ist, da alle Reiche und Staatsgemeinschaften der Erde durch ein immerwährendes, Unverbrüchliches Friedensbündnis miteinander verbunden sind. Traget genauestens Sorge für alle Armen, Kranken und Elenden, für alle Alten - Männer und Frauen -, für alle verlassenen Ehefrauen, notleidenden Witwen und elternlosen Kinder, die unter euch leben. Denn ich sage euch: wie groß eure Staatsgemeinschaften auch immer sein mögen, so darf es keinen einzigen Menschen - Mann, Frau oder Kind - geben, der notleidend um das tägliche Brot bettelt. Auch darf es keinen einzigen arbeitsfähigen und arbeitswilligen *1 Menschen geben, der ohne Zuhause und ohne Arbeit umherstreift. Beschaffet daher baldigst Wohnungen, Essen, Kleider und Arbeit für all diejenigen, die sich nicht selbst diese Dinge zu beschaffen vermögen. Unterstützet und helfet nicht so, daß es als entehrendes Almosen empfunden wird, sondern so, daß diejenigen, die von euren Staatsgemeinschaften versorgt oder unterstützt werden, die ihnen geleistete Hilfe mit Freude und Dankbarkeit entgegennehmen können *2.

Ja, wahrlich, ich sage euch: eure Verpflichtungen sind mannigfaltig, und eure Verantwortung ist groß; ich bitte euch daher, genau zu durchdenken, was ich euch hier gesagt habe. Denn wisset, wenn ihr aus Selbstsucht oder Furchtsamkeit nicht für alle Armen, Leidenden und Unglücklichen Sorge tragen wollt, so werdet ihr wahrhaftig selbst, in eurem kommenden Erdenleben, die Not und das Elend der Heimatlosigkeit und der Armut kosten, bis ihr gelernt haben werdet, mit euren unglücklichen Mitmenschen Mitleid zu fühlen.

Bittet unseren Vater, euch die Augen zu öffnen, auf daß ihr die Wahrheit meiner Worte verstehen könnt. Bittet unseren Vater, euch zu stützen und zu beraten; denn ist Er mit euch, so werden eure Gesetze fürwahr voll und ganz gerecht werden.

Ich spreche zu euch, ihr Männer, die ihr Väter seid, und zu euch, die ihr zugleich Ehemänner seid. Ich spreche zu euch, ihr Frauen, die ihr Mütter seid, und zu euch, die ihr zugleich Ehefrauen seid. Höret mich, denn ich spreche zu euch allen, welchem Land, Gemeinwesen oder Volk ihr auch immer angehört! Ihr Männer und Frauen: zeuget und gebäret keine Kinder, ehe ihr sie versorgen könnt; denn wisset, daß ihr all euren Kindern die gleiche Verantwortung, die gleichen Verpflichtungen gegenüber habt, ob sie nun in oder außer den gesetzlichen Ehen eurer Gemeinwesen gezeugt und geboren sind. Werfet eure Kinder nicht leichtsinnig in die Welt, ohne ihnen Mittel zu geben, im Leben voranzukommen. Lasset sie niemals ohne Hilfe und ohne Wehr allein stehen; denn tragt ihr nicht Sorge für sie und erliegen sie den Versuchungen der Finsternis, werden sie von Sünde und Laster herabgezogen, werden sie Missetäter und Übeltäter, so habt ihr die Schuld, so tragt ihr die Verantwortung dafür, so müßt ihr ihnen in den kommenden Erdenleben sühnen helfen, was sie verbrochen haben, ehe ihr selbst weiterwandern könnt. Höret mich, ihr Väter: habt ihr also einige eurer Kinder verleugnet, habt ihr sie allein und ohne Kenntnis dessen, wer ihnen das Leben gab, stehen lassen, so beeilet euch, sie aufzusuchen, und machet gut, was ihr wider sie gesündigt habt. Ja, wahrlich, ich sage euch: ihr sollt voll und ganz für ihre Erziehung und für all ihre Bedürfnisse sorgen, und ihr sollt ihnen das gleiche Erbteil wie denjenigen Kindern geben, die euch in gesetzlicher Ehe geboren sind; denn dieses steht ihnen mit Recht zu. Und euch, ihr ledigen Mütter, sage ich: entziehet euch niemals euren mütterlichen Verpflichtungen. Lasset eure Kinder nicht in fremden Händen unter dem Mangel an liebevoller Sorge und Pflege einer Mutter leiden. Traget Sorge dafür, daß die Väter eurer Kinder ihre väterlichen Verpflichtungen nicht versäumen. Ja, bewachet und schützet eure Kinder gegen all das Böse und Unreine, das es im Leben gibt. Ihr Männer und Frauen: setzt ihr in und außer euren Ehen so viele Kinder in die Welt, daß ihr nicht vermögt, ihnen allen Essen, Kleider, Unterkunft, gute und reichliche Kenntnisse zu gewähren, so saget niemals, dies geschehe nach Gottes Willen; denn ich sage euch: ebenso wenig, wie unser Vater euch zwingt, naturwidrige Gelübde abzulegen, ebenso wenig gebietet Er euch, so viele Kinder zu zeugen und zu gebären, daß die Anzahl über oder weit über eurem Versorgungsvermögen liegt. Lasset daher eure Nachkommen niemals hungern, frieren und des Wissens ermangeln, weil ihr über eure fleischlichen Lüste und Begierden nicht die volle Herrschaft habt. Ihr Väter und Mütter! liebet all eure Kinder mit tiefer, inniglieher Liebe. Seid gut und aufopfernd zu ihnen, denen ihr das Leben schenktet. Trachtet danach, ihnen eine lichte und glückliche Kindheit zu bereiten, auf daß sie sich des Zuhauses und eurer jederzeit mit inniglicher Freude erinnern können. Seid verstehend, aber nicht schwach, töricht und nachgiebig, wenn ihr seht, daß sie fehlen und sündigen. Quälet und mißhandelt sie niemals, weder geistig noch körperlich. Erziehet sie mit liebevoller Geduld, stützet sie mit fester Hand, leitet sie mit ruhiger Autorität. Lehret eure Kinder, ihren Nächsten zu lieben wie sich selbst. Lehret sie, sich in kindlichem Vertrauen an ihren himmlischen Vater zu wenden, auf daß Er sie stützen und ihnen helfen kann, wo ihr es nicht vermögt. Erziehet eure Kinder zu guten, wahrhaftigen, arbeitsamen, kenntnisreichen und gerechten Menschen. Lehret sie, in Gesinnung und in Gedanken rein und keusch zu sein. Helfet ihnen, ihren Willen zu stärken, auf daß sie mit Leichtigkeit über die unreinen Begierden des Körpers Siegen können. Lehret eure Söhne, treue, rücksichtsvolle Ehemänner, liebevolle, pflichtbewußte Väter, und eure Töchter, treue, verständige Ehefrauen, liebevolle, pflichtbewußte Mütter zu werden. Ja, höret mich: erziehet eure Kinder so, daß ihr ihnen in Wahrheit sagen könnt: erliegt ihr den Versuchungen der Finsternis, der Sünde und dem Laster, so seid ihr selbst schuld, so müßt ihr selbst die volle Verantwortung tragen.

Ihr Ehemänner und Ehefrauen, liebet einander aus ganzem Herzen! Seid nachsichtig gegen die Fehler und Schwächen des anderen, belehret und beratet einander mit Geduld und liebevollem Verständnis. Traget gemeinsam die vielen Bürden und Sorgen des täglichen Lebens, teilet eure Sehnsüchte und eure Freuden miteinander. Vergiftet niemals das Gemüt eurer Kinder durch Zankereien und Gewalttaten. Lasset nicht die Liebe zu anderen Männern und zu anderen Frauen euch voneinander entfernen oder euch trennen. Seid einander treu, auch wenn das Alter eure Körper beugt und eure Haare bleicht. Ja, wandert treu Hand in Hand, bis der Tod euer Ehebündnis löst; und trachtet danach, all die vielen Erinnerungen liebevoll zu bewahren, auf daß ihr euch mit Freuden in den himmlischen Wohnungen wiedersehen könnt.

Ihr Männer und Frauen, durchdenket genau, was ich euch hier gesagt habe. Bittet unseren Vater, mit euch zu sein, euch zu stützen und zu helfen, auf daß ihr niemals dem zuwiderhandelt, was euer Gewissen euch gebietet.

Ich spreche zu euch, ihr jungen Männer, und zu euch, ihr jungen Frauen. Höret mich, denn ich spreche zu euch allen, welchem Land, Gemeinwesen oder Volk ihr auch immer angehört! Liebet, ehret und achtet diejenigen, die euch das Leben schenkten. Folget den Ratschlägen und den Ermahnungen, die euch gegeben werden, bis die Stunde kommt, da ihr für all eure Handlungen selbst die Verantwortung übernehmen müßt. Seid nachsichtig und ehrfürchtig den Alten gegenüber, auf daß das Geschlecht, das nach euch kommt, euch gegenüber, wenn ihr euch dem Grabe nähert, nachsichtig und ehrfürchtig sein kann. Gebet euch keinen sündigen und unreinen Lüsten hin. Verkaufet niemals euren Körper der Unzucht. Ihr Männer, vergewaltiget und verführet niemals! Ihr Frauen, tötet nicht die Kinder, die ihr gebärt! Vernichtet auch nicht mit Absicht das Leben, das ihr empfangen habt; denn ich sage euch: all solches ist vom Übel! und ihr schafft euch selbst dadurch viele Leiden.

Seid barmherzig zu den Tieren; quälet sie niemals, jaget sie nicht und rottet sie nicht aus, wenn es nicht nötig ist. Gehet mit allen berauschenden Getränken und abstumpfenden Giften vorsichtig um; denn wisset, daß ihr für die törichten, bösen und schlechten Taten, die ihr verübt, wenn ihr, aus Unachtsamkeit oder schlechter Gewohnheit, über euren Verstand und euren Willen die Herrschaft verliert, selbst voll und ganz die Verantwortung tragen müßt. Trachtet jederzeit danach, euren Geist durch nützliche und belehrende Kenntnisse zu bereichern. Und wenn ihr einmal ins Leben hinaustretet, so verstoßet niemals wider die Gesetze der Wahrheit und der Gerechtigkeit, welche Stellungen ihr auch immer bekleidet, welche Arbeit auch immer die eurige ist, ob ihr der gesetzgebenden, der richterlichen oder der ausführenden Gewalt angehört oder eure Tätigkeit auf anderen Gebieten liegt; und handelt niemals eurem Gewissen zuwider. Leget euren Untergebenen keine grösseren Lasten' auf, als sie zu tragen vermögen; und lohnet *1 ihre Arbeit mit dem Lohn, den ihr selbst verlangen würdet, wenn ihr an deren Stelle wäret.

Seid treu und verläßlich in all eurem Tun und Lassen. Werdet ihr mit der Tätigkeit, die die eurige ist, unzufrieden, und verlaßt ihr die Arbeit, die ihr übernommen habt, so zwinget niemals eure Kollegen, euch zu folgen; denn dadurch kränkt ihr das Recht des freien Willens und ladet euch eine große Verantwortung *1 auf.Erwerbt ihr euch Reichtümer durch die Gedanken eures Geistes, die Tätigkeit eurer Hände, durch Erbschaft oder auf andere ehrliche Weise, so stehen sie euch zu Recht zu; aber ich bitte euch, an diejenigen zu denken und die zu stützen, die wenig oder nichts haben. Und euch, die ihr wenig oder nichts habt von den Gütern dieser Welt, sage ich: beneidet nicht diejenigen, die besser gestellt sind, denn deren Verantwortung ist weit größer als die eurige; und verlanget niemals, an dem rechtmäßigen Eigentum anderer Teil und Anteil zu bekommen; denn ihr habt kein Recht, solche Forderungen zu stellen. Freuet euch über das, was euer ist, und über das, was euch gegeben wird, aber fordert niemals, was euch nicht zusteht. Sammelt ihr Reichtümer durch Wucher oder Betrug, durch Diebstahl oder Raub, so werdet ihr gewißlich in eurem kommenden Erdenleben alles an die rechten Eigentümer zurückgeben - ja, wahrlich, ihr werdet alles mit Zinsen und Zinseszinsen zurückgeben! Freuet euch über alles, was schön und herrlich ist in der Welt, nutzet in mannigfacher Weise die vielen Gaben, die euch von unserem Vater gegeben sind, und sammelt euch alle um das Ziel: einem immerwährenden, unverbrüchlichen Frieden unter den vielen Reichen und Ländern der Erde gemeinsam und einträchtig den Weg zu bereiten. Ja, höret mich, ihr jungen Männer und ihr jungen Frauen! Durchdenket genau, was ich zu euch gesprochen habe; denn vergesset nicht: ihr seid die Schöpfer der Zukunft, die Träger der Zukunft.

Bittet unseren Vater, euch zu stützen und zu helfen, auf daß ihr unter Seiner Anleitung die ersten Grundsteine zu dem neuen Weltgebäude legen könnt. Ja, bittet unseren Vater, mit euch zu sein, auf daß die kommenden Geschlechter auf die Zeit, die die eurige war, mit inniglicher Freude zurückschauen und euch für das Gute, das ihr ausgerichtet habt, danken können.

Auch will ich zu den Menschen sprechen, die das Volk, in dessen Mitte ich einst als Jesus von Nazareth geboren wurde, hassen und in mannigfacher Weise verfolgen. Höret mich, denn ich sage: ihr habt kein Recht, ein Volk für die Sünden und Missetaten, die seineVorväter begangen haben, zu hassen und zu verfolgen! Stellet daher eure Verfolgungen ein und lasset ab von eurem Haß; denn tut ihr das nicht, so wird das Volk der Juden gewißlich meinem Herzen am nächsten stehen. Ja, lasset euch niemals durch Rassenhaß verblenden und trennen; denn denket daran: vor unserem Vater seid ihr alle gleich; Er liebt alle Völker und Rassen, farbige und nichtfarbige, die kleinsten wie die größten, mit derselben tiefen, unendlichen Liebe; Er erweist euch allen dieselbe Geduld und Barmherzigkeit; und einmal wird Er euch alle in Seinem Reich willkommen heißen. Abschließend wende ich mich an alle Menschen auf der ganzen Erde, und ich bitte euch alle: versuchet, mit unserem ältesten Bruder Mitleid zu haben, versuchet zu verzeihen, was er wider euch verbrochen hat, auf daß die vielen Verwünschungen, die er ausgestoßen hat, aufgehoben und ausgemerzt werden können! Ja, vergebet ihm aus ganzem Herzen; so wird er in tiefer Dankbarkeit an meiner Seite stehen und mir aus voller Kraft helfen, euch zu unserem Vater zu leiten. - Hoch habe ich meine Fackel über eure Häupter erhoben, auf daß ihre klaren Strahlen auf die Wege fallen könnten, die in das Reich unseres Vaters führen. Folget mir, all ihr leidenden, suchenden und zweifelnden Menschen! Folget mir; denn ich habe gelobt, euch zu leiten, und ich lasse euch nicht, ehe ich den letzten von euch in den Armen unseres Vaters zur Ruhe gebracht habe!

Vater! Ich bitte dich, deinen Segen in meine Worte zu legen, auf daß sie die Ohren und Herzen der Menschen erreichen können. Vater, sei mit uns allen.

Amen!